DOG 2021

Aurel-von-Szily Lecture 2021: Kataraktchirurgie bei Uveitis – was ist entscheidend?

Frau Professor Dr. med. Soon-Phaik Chee, Singapur, erhält die diesjährige Aurel-von-Szily Medaille, die im Rahmen des Symposiums der Sektion DOG-Uveitis verliehen wird. Die Ehrenvorlesung der Preisträgerin befasst sich mit dem Ergebnis von Kataraktoperationen bei Uveitis. 

Das visuelle Ergebnis der Kataraktchirurgie bei Uveitis ist abhängig von der Diagnose, dem perioperativen Management und der Operationstechnik. Wichtig bei der Planung einer Kataraktoperation ist daher die sorgfältige präoperative Beurteilung von Komorbiditäten, die das funktionelle Ergebnis einschränken könnten, sowie der Risikofaktoren für die Entwicklung von intra- und postoperativen Komplikationen. Entscheidend für das Ergebnis ist außerdem, dass die intraokulare Entzündung für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten vor dem Eingriff gut kontrolliert wird, da nur so das Risiko eines postoperativen Rezidivs vermindert werden kann. Bei Patienten, bei denen das Risiko einer Exazerbation der postoperativen Entzündung bzw. eines Makulaödems besteht, kann eine entzündungshemmende Prophylaxe von Vorteil sein. Die Behandlung von Synechien und Pupillarmembranen wird in chirurgischen Videos gezeigt. Demonstriert werden Techniken zur Pupillenerweiterung mit und ohne Einsatz von entsprechenden Hilfsmitteln sowie wichtige chirurgische Manöver zur Vermeidung postoperativer Komplikationen.

Prof. Dr. Soon-Phaik Chee

Distinguished Professor of Clinical Education in Ophthalmology an der Duke National University of Singapore Medical School und Professorin an der National University of Singapore, Singapur

Soon-Phaik Chee ist Distinguished Professor of Clinical Education in Ophthalmology an der Duke National University of Singapore Medical School und Professorin an der National University of Singapore, Singapur. Sie ist Leitende Ärztin des Ocular Inflammation and Immunology Service und des Cataract and Comprehensive Ophthalmology Service am Singapore National Eye Centre (SNEC). Chee leitet zudem das Katarakt-Forschungsteam am Singapore Eye Research Institute.

Zu Professor Chees Schwerpunkten auf dem Gebiet der Kataraktforschung zählt die Behandlung komplizierter Katarakte wie die posteriore Polkatarakt, subluxierte Linsen und fortgeschrittene Katarakte, darunter „Premium“ Intraokularlinsenimplantate und Femtosekundenlaser-Kataraktoperationen. Darüber hinaus hat Chee eine Reihe von chirurgischen Instrumenten entwickelt, die bei komplexen Katarakt-Eingriffen zum Einsatz kommen.

Professor Chee ist seit 2013 Präsidentin der Asia-Pacific Intraocular Inflammation Study Group (APIISG). Außerdem ist sie Mitglied der International Uveitis Study Group und des internationalen Boards der International Ocular Inflammation Society (IOIS). Auf dem Gebiet der Uveitis hat Chee umfangreich über Cytomegalovirus-Infektion des vorderen Segments bei Immunkompetenten, okuläre Tuberkulose, Dengue-Makulopathie und die Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit publiziert. Sie ist Autorin von über 200 im Peer-Review-Verfahren begutachteten wissenschaftlichen Arbeiten sowie zahlreicher Fachbuch-Kapitel zur komplexen Katarakt und zu Uveitis.

Aurel von Szily war von 1905 bis 1924 an der Freiburger Universitätsklinik beschäftigt und wurde dort 1913 zum außerordentlichen Professor ernannt. Nach seinen Einsätzen in Kriegslazaretten während des ersten Weltkriegs veröffentlichte er 1918 den Atlas der Kriegsaugenheilkunde. Er erhielt das Badische Kriegsverdienstkreuz und das Eiserne Kreuz II. Klasse. 1924 wechselte er als ordentlicher Professor nach Münster an die neugegründete Augenklinik, der er einen internationalen Ruf verschaffte. Für sein Lebenswerk wurde er 1925 mit dem Von-Graefe-Preis geehrt.

Mit seinen Tierversuchen zur Erklärung der sympathischen Ophthalmie und dem daraus hervorgehenden „von Szily-Modell“ erlangte Aurel von Szily internationale Bekanntheit. Immer wieder befasste er sich mit neuen Problemen der augenärztlichen Diagnostik und Therapie: Neben den immunologisch hervorgerufenen Augenkrankheiten beschäftigten ihn auch die angeborenen Fehlbildungen des Auges, die Anatomie des vorderen Augenabschnitts und die Entstehung von Linsentrübungen. Er entwickelte zudem eine Darstellung der abführenden Tränenwege mit einer neuen, von ihm erprobten Technik und eine neue Methode zur Behandlung von Netzhautablösungen.

Von Szily kehrte 1939 in seine Heimatstadt Budapest zurück, nachdem die Nationalsozialisten ihn 1935 vom Münsteraner Lehrstuhl vertrieben. Man entzog ihm außerdem die deutsche Staatsbürgerschaft sowie die Schriftleitung der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde. Zu den wichtigsten Arbeiten von Szilys gehörte die „Vergleichende Morphogenese und Morphographie der Papilla nervi optici“, die leider unvollendet blieb.