DOG 2022

Aurel-von-Szily Lecture 2022: Die anteriore Uveitis in der Kindheit: kleine Patienten, große Herausforderungen

Herr Professor Bahram Bodaghi, Paris, erhält die diesjährige Aurel-von-Szily Medaille, die im Rahmen des Symposiums der Sektion DOG-Uveitis verliehen wird.

Uveitis bei Kindern ist nach wie vor schwierig zu diagnostizieren und zu behandeln. Uveitis im Zusammenhang mit juveniler idiopathischer Arthritis zählt sicher zu den häufigsten Ätiologien, gefolgt von der intermediären Uveitis. Zur frühzeitigen Behandlung und Vermeidung der wichtigsten Komplikationen ist es unverzichtbar, dass die Erkrankung möglichst früh erkannt wird. Der Einsatz von Kortikosteroiden ist so immer weniger notwendig, was positive Auswirkungen hinsichtlich Katarakt und Glaukom mit sich bringt. Die visuelle Prognose dieser entzündlichen Erkrankungen wurde durch den Einsatz biologischer Wirkstoffe deutlich verbessert.

Prof. Dr. Bahram Bodaghi, FEBO

Professor für Augenheilkunde und Sehwissenschaften an der Pariser Sorbonne in Frankreich und Generalsekretär der Französischen Gesellschaft für Ophthalmologie

Seit 2013 sitzt er dem nationalen Universitätsrat für Augenheilkunde vor und bringt sich aktiv in die Entwicklung von Lehrveranstaltungen für Studierende im Erststudium und Postgraduierte der Universität Paris ein. 2015 wurde er zum Präsidenten der International Ocular Inflammation Society gewählt und bekleidet seither dieses Amt.

Herr Professor Bodaghi war der erste Augenarzt, der mit dem Oudin-Preis der französischen Gesellschaft für Immunologie ausgezeichnet wurde. Außerdem erhielt er den Senior Achievement Award der American Academy of Ophthalmology und den Ehrenpreis der International Uveitis Study Group. In den vergangenen zehn Jahren konzentrierte er sich vor allem auf die Erforschung von Infektionserregern, die mit verschiedenen Formen intraokularer Entzündungen in Verbindung gebracht werden, sowie auf neue Therapieansätze bei autoimmuner Uveitis.

Aurel von Szily war von 1905 bis 1924 an der Freiburger Universitätsklinik beschäftigt und wurde dort 1913 zum außerordentlichen Professor ernannt. Nach seinen Einsätzen in Kriegslazaretten während des ersten Weltkriegs veröffentlichte er 1918 den Atlas der Kriegsaugenheilkunde. Er erhielt das Badische Kriegsverdienstkreuz und das Eiserne Kreuz II. Klasse. 1924 wechselte er als ordentlicher Professor nach Münster an die neugegründete Augenklinik, der er einen internationalen Ruf verschaffte. Für sein Lebenswerk wurde er 1925 mit dem Von-Graefe-Preis geehrt.

Mit seinen Tierversuchen zur Erklärung der sympathischen Ophthalmie und dem daraus hervorgehenden „von Szily-Modell“ erlangte Aurel von Szily internationale Bekanntheit. Immer wieder befasste er sich mit neuen Problemen der augenärztlichen Diagnostik und Therapie: Neben den immunologisch hervorgerufenen Augenkrankheiten beschäftigten ihn auch die angeborenen Fehlbildungen des Auges, die Anatomie des vorderen Augenabschnitts und die Entstehung von Linsentrübungen. Er entwickelte zudem eine Darstellung der abführenden Tränenwege mit einer neuen, von ihm erprobten Technik und eine neue Methode zur Behandlung von Netzhautablösungen.

Von Szily kehrte 1939 in seine Heimatstadt Budapest zurück, nachdem die Nationalsozialisten ihn 1935 vom Münsteraner Lehrstuhl vertrieben. Man entzog ihm außerdem die deutsche Staatsbürgerschaft sowie die Schriftleitung der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde. Zu den wichtigsten Arbeiten von Szilys gehörte die „Vergleichende Morphogenese und Morphographie der Papilla nervi optici“, die leider unvollendet blieb.